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From: NOSPAM@heirich.in-berlin.de (Peter Heirich)
Subject: Fernsehn im Oderhochwasser
Date: Sun, 3 Aug 1997 00:28:00 GMT

RTL will gegen die zu erwartenden Marktanteile bei der ARD Benefizgala 
antreten.

Deshalb wird die 100.000 Mark Show nächsten Sonntag 20.15 Uhr auf RTL als 
Sondersendung aus Hohenwutzen gebracht.

Ulla Lock am Brink präsentiert endlich echt reale Spiele statt dem üblichen 
Kinderkram, natürlich im knappen Bikini. Das dadurch bedingte Erbrechen bei 
vielen Bundeswehrsoldaten, wird von Explosiv am Montag in einer Sondersendung 
als Beginn einer Typhusepedemie erkannt werden.

Zuerst müssen die 3 Kandidatenteams die Oder hin und zurück durchschwimmen, 
bis ein Team vom Fluß mitgerissen wird und ertrinkt. Das bringt als 
Vorausscheid auf notwendigen 2 Teams. Die Rechte am Auffinden der 
Wasserleichen sind schon an Stern-TV verkauft worden.

Anschließend müssen Überlebenden als Deichläufer möglichst viele Sickerstellen 
finden, die im Auftrag des Fernsehsenders von einer Fachfirma seit gestern in 
den Deich gebohrt werden.

Als absolute Finalaufgabe bekommt jedes Team ein Haus in Hohenwutzen 
zugeteilt, dazu 5000 Sandsäcke. Es ist die Aufgabe jedes Teams nach der nun 
folgenden Deichsprengung das ihnen zugewiesene Haus möglichst lange trocken zu 
halten.

Aus praktischen Gründen gewinnt das Siegerteam statt eines Autos diesmal ein 
schickes Motorboot.

Als Gegenmaßnahme wird von SAT.1 die wöchentliche Telewette im Zusammenhang 
mit der Brandenburgischen Lotto GmbH etwas abgeändert und tritt ebenfalls um 
20.15 Uhr gegen ARD und RTL an. Diesmal geht es um die Deichwette. Die 
Deichwette ist so etwa wie eine Pferdewette, nur wird halt gewettet, wo der 
Deich zuerst bricht. Favoriten für die Sendung sind Hohenwutzen, 
Zollbrücke, Lebus und Reitwein.

SAT.1 versucht derzeit noch RTL die für die 100.000 Mark Show notwendige 
Deichsprengung per einstweiliger Anordnung gerichtlich zu verbieten. Falls das 
nicht gelingt, läuft Hohenwutzen bei der Teledeichwette außer Konkurenz.

Gibt es bis zum Ende der Sendung keinen Deichbruch, wird die Sendung jeweils 
nach Glücksrad (wo nach zeitgemäßen Begriffen wie Deich, Sickerwasser oder 
Katastrophenstab gesucht wird) jeweils täglich wiederholt.

Das ZDF nimmt bei dieser Konkurenz ein "Was nun ? Herr Stolpe ?" als 
Sondersendung ins Programm. Diesmal wird stilecht aus dem überfluteten Haus 
von Otto Schulze übertragen. Das Haus steht in der Ziltendorfer Niederung noch 
so ca. zwei Meter unter Wasser, weshalb die Diskussion im Spitzdach neben den 
dort untergebrachten Hühnern stattfindet. Überraschungsgast wird FDP-Chef 
Gerhard, weil der a) das Hochwasser noch nicht zum Wahlkampf genutzt hat und 
b) seine Idee den abgesenkten Teil des Solizuschlags als Hochwassernotopfer zu 
verkaufen, vekünden wird. Immerhin kann dann die FDP Ihr Gesicht wahren, die 
Koalition braucht nicht mehr zu streiten, und das Geld wird weiter 
eingenommen.


Hmm. warum klingt das alles so glaubhaft ?

Peter
F'up

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