From: privat@karlvalentin.de (Karl Valentin)
Subject: Re: http://surf.to/bizarsex
Date: Tue, 15 Dec 1998 16:04:12 GMT

Am Tue, 15 Dec 1998 12:59:38 +0100 schrieb mrfloppie
<mrfloppie@gmx.de>:

>hut schrieb:
>
>> realy bizar
>> http://surf.to/bizarsex
>
>Na das ist ja ne tolle Adresse... Nur wie kommt man denn da rein???

Welch bedeutendes Stück Literaturgeschichte: mrfloppie äußert sich
kritisch zu dem bizarren Zweiteiler namens "http://surf.to/bizarsex"
vom Bestseller-Autor hut. Grund und Anlaß genug, sich damit
auseinanderzusetzen.
Gehen wir zuerst auf den Zweiteiler ein. Dieses unrhythmische,
metrumlose Werk, welches sich aus einer Zeile schlechten Schreibstils
und einer aus einem URL bestehenden Zeile zusammensetzt, hat die
Intention, den Leser auf eine Seite mit interessanten Inhalten zu
locken. Dabei handelt es sich aber nicht um einen deutschsprachigen
website, mit Informationen ueber bizarre lesbische Videos mit
Natursektspiele und Spielereien mit Essen, wie einst von gabi432
entdeckt.
Auch der große Literaturkritiker, bekannt als mrfloppie, setzte sich
mit dem tollen Zweizeiler auseinander und schrieb darüber ein
Einzeiler, der den originalen Zweizeiler bei weitem übertrifft.
Auffällig ist unter anderem die sprachliche Gestaltung. mrfloppie
verwendet einen sehr volkstümlichen Stil, er ersetzt zum Beipsiel den
schönen, unbestimmten, weiblichen Artikel "eine" durch ein einfaches
"ne". Auch hat er ein besonderes Faible für bizarre Interpunktion. So
findet man bei seinem Werk nicht nur je ein Satzzeichen, nein, gleich
drei auf einmal. Zum Ausgleich dafür läßt er die sowieso störenden
Kommata weg. Was für ein Revolutionär der deutschen Sprache!
Aber auch inhaltlich birgt die Dichtung einiges Interessantes. Die
durch die Antithetik der zwei Sätze erzeugte Spannung zieht einen
jeden Leser in seinen Bann, und das meine ich so, wie ich es schreibe.

Das sorgfältig ausgewählte Adjektiv "toll" sorgt beim Leser für eine
gewisse Euphorie. Der Autor möchte damit sagen, daß ihm etwas gefällt,
daß er von dieser Sache begeistert ist. Er konnte dem hut'schen
Zweizeiler eine "tolle Seite" abgewinnen, und man sei doch bitte so
ehrlich: Wer konnte das nicht? Doch gleich im zweiten und letzten Satz
ziehen dunkle Wolken auf. Ein verzweifelter Ruf - "Wie kommt man denn
da rein???" - betont durch drei Fragezeichen, geht dem Autor von der
Hand. Es ist ihm nicht gelungen, die Schale des Zweizeilers
"http://surf.to/bizarsex" zu durchbrechen und dessen inneren Sinn zu
sehen.
Dennoch sollten wir mrfloppie für sein literarischen Kunstwerk dankbar
sein, wer schon setzt sich heute mit derartigem Einsatz für die
moderne Literatur ein - gerade jetzt, im Zeitalter von AIDS,
Multimedia und Internet. Mir bleibt nur ein zu sagen:
DANKE, mrfloppie! 

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