From: Maharani@t-online.de (Rita Fernsler) Subject: ein weihnachtsmaerchen Date: Wed, 16 Dec 1998 07:29:44 GMT warum es einen weihnachtsbaum gibt ---------------------------------- vor einer langen zeit in einer weit entfernten galaxis... oh, flasch. vor einer langen zeit... dunkelheit lag ueber der dunklen hoehle. sterne funkelten am unendlichen himmel. oh, nein, schon wieder flasch. zu jener zeit war der himmel nicht unendlich, sondern eine art halbkugel mit daran genagelten gelben scheibchen. also, nochmal: gelbe scheibchen funkelten an der riesigen halbkugel. jedoch die haarigen maenner, die vor der hoehle sassen, kuemmerten sich nicht so sehr darum. sie waren viel mehr darueber besorgt, dass ihr feuer ausgegangen war. ihr hoelzchen-und-stoeckchen-um-ein-neues-zu-machen war von den kindern der frauen in der hoehle dazu verwendet worden, um einen huebschen staudamm an dem kleinen bach zu bauen, der in der naehe der hoehle vorbeifloss. die maenner hatten sie recht ordentlich dafuer verhauen, aber das hatte das hoelzchen-und-stoeckchen-um-ein-neues-feuer-zu-machen nicht trockener gemacht. also: kein feuer. einer der aelteren, weisen maenner, die jetzt in der hoehle schliefen, hatte von dingen geredet, der er erfinden wolle, um feuer zu machen. aus unerfindlichen gruenden wollte er diese "streichhoelzer" nennen, aber er hatte voellig dabei versagt, sie zu erfinden. die maenner hatten ihn ordentlich verpruegelt deswegen, aber sie hatten immer noch kein feuer. die kaelte kroch durch die modischen mammutfelle, in die sie sich gewickelt hatten. das war nicht das problem. sie waren erfahrene jaeger und der stolz der hoehlenbewohner, und sie konnten etwas kaelte ertragen (das konnten sie zwar nicht, aber das zeigten sie nicht). sie waren gezwungen gewesen, mittag- und abendessen roh zu verspeisen. das war auch nicht das problem. nun ja, es hatte scheusslich geschmeckt, und es war ziemlich harte arbeit gewesen, das uralte reh zu zerkauen, aber sie waren erfahrene jaeger und der stolz der hoehlenbewohner, und das konnten sie aushalten (sie konnten es nicht, und das hatten sie auch ziemlich deutlich gezeigt, als sie die kinder verpruegelten). heute war der tag des grossen winterfestes. zumindestens hatte das der aelteste und weiseste mann, der jetzt sterbend in der hoehle lag, behauptet. sie hatten ihn verpruegelt, aber er hatte darauf bestanden, dass dies der wille der goetter sei. sie konnten keinen gott finden, den sie haetten verpruegeln koennen, und so waren sie nun sehr sehr finster gestimmt. das grosse winterfest war das problem. ein wichtiger teil bestand darin, ueber ein grosses loderndes feuer zu springen und dabei so zu tun, als waere das sehr gefaehrlich (tatsaechlich war es das nicht, die maenner achteten sehr auf ihre gesundheit). auf jeden fall beeindruckte es die frauen, die jetzt in der hoehle sassen und die weinenden kinder troesteten, jedesmal sehr stark. die frauen hatten die maenner wegen des verpruegelns der kinder beschimpft, waren dafuer verdroschen worden, und redeten jetzt kein wort mehr mit den maennern. die maenner waren in einer sehr finsteren stimmung. ploetzlich sagte einer: "wir muessen statt dessen etwas anderes machen." ein anderer grunzte: "hmmm". es folgte eine lange stille. dann sagte einer von ihnen "wir haben kein feuer..." alle anderen schrien aergerlich "das wissen wir!" der erste fuhr fort: "...aber wir haben eine menge anderer dinge." ein anderer erwiderte "aber es wird nicht gefaehrlich aussehen, wenn wir drueberspringen, und es wird die frauen nicht beeindrucken." alle sagten "hmmmmm." es folgte eine lange stille. dann sagte einer: "und wenn wir etwas nettes machen - vielleicht reden die frauen wieder mit uns?" alle fragten erstaunt: "nett? was meinst du? kein mann war jemals nett zu einer frau." der erste seufzte: "ich wuenschte, dass sie wieder mit uns reden wuerden." veraechtlich guckten die anderen zur seite. ploetzlich sagte ein mann "ja, ich denke, das moechte ich auch." und mehr und mehr maenner sagten, dass es schoen waere, wenn die frauen wieder mit ihnen redeten. mit ausnahme von vielleicht zwei oder drei von ihnen. sie dachten lange darueber nach, was sie auch ohne feuer tun koennten, um die frauen zu beeindrucken. schliesslich hatten sie eine gute idee: sie wuerden einen heiligen wintertanz um einen von diesen baeumen-die-ihre-blaetter-nicht-verlieren tanzen, weil die so magisch waeren (der wahre grund war, dass die baeume huebscher aussahen, als die, die ihre blaetter verloren hatten, aber ein mann braucht einen etwas ernsthafteren grund, um etwas zu machen). und um die frauen aus der hoehle zu locken, damit sie die maenner um einen baum herumtanzen sehen konnten, legten die maenner kleine geschenke unter den baum: ein paar huebsche steine, einen warmen fuchspelz und andere kleinigkeiten. und dann tanzten sie den heiligen wintertanz um den magischen baum. und die frauen kamen aus der hoehle und waren sehr von den geschenken beeindruckt. natuerlich sagten sie das nicht, sie waren weise und erfahren im umgang mit maennern. sie sagten, sie waeren von dem tanz der maenner sehr beeindruckt. im folgenden jahr taten die maenner das gleiche nochmal. diesmal hatten sie aber wieder feuer, und um das zu zeigen, zuendeten sie den baum an, waehrend sie darum herum tanzten und sprangen danach durch das feuer. die frauen waren sehr beeindruckt und alle waren sehr gluecklich. und um an jene ersten menschen zu erinnern, die ihr winterfest mit einem baum feierten, haben wir den brauch bis heute bewahrt. wir zuenden den baum immer noch an, allerdings nur ein bisschen, denn die heutigen maenner springen nicht mehr ueber ein feuer - sie haben anderes gefunden, womit sie angeben koennen, um frauen zu beeindrucken. frohes fest wuenscht Maharani -- Maharani, Hohepriesterin der einzig wahren Religion [TM] http://members.tripod.com/~Fernsler/detebe/start.html Oberste Niedermacherin von de.talk.bizarre