From: siegemu@sun2.ruf.uni-freiburg.de (Georg Siegemund) Subject: DANKE, 35-Mark-Ticket Date: 3 Aug 1999 15:42:08 GMT </detebe> Nun begab es sich aber, dass es Leute gibt, die vom Norden dieses schoenen Landes in den Sueden wollen. Es soll sogar passiert sein, dass sie Fahrraeder mit sich fuehrten, die mit Zeuchs fuer 14 Tage bepackt sind. Mit solchen Fahrraedern kann man keinen ICE besteigen. Das waere ausserdem zu teuer. Um diesem Missstand Abhilfe zu schaffen, beschlossen freundliche Menschen, oben genannten Leuten einen Fahrschein an die Hand zu geben, dessen Wert hin und wieder schwankt, dessen Funktionsweise aber im Allgemeinen so aussieht: Man setzt sich in einen langsamen Zug und laesst sich von A nach B kutschieren. Da der langsame Zug aber selten direkt von A nach B kutschiert, muss man mindestens in C, D, E und selbstverstaendlich in Q umsteigen. Zudem (das ist die Eigenschaft von langsamen Zuegen) halten die Zuege noch an allen Gegenden, die danach aussehen, als waeren sie ein Bahnhof. Dieser erwaehnte Fahrschein ist jetzt nicht so teuer. Und die Fahrscheine, die man erwerben muss, um Fahrraeder zu transportieren, sind eigentlich auch recht erschwinglich. Was ein Wunder bei den Preisen ist, die die freundlichen Menschen sonst erheben. Ich wollte nun an einem (in Worten: einem) Tage von der Ostsee in den Schwarzwald reisen. Mit meiner kleinen Laila - meinem geliebten schwarzen Rad. Ich hatte nicht bedacht, dass ich in der Lueneburger Heide ein paar Mal den Zug wechseln musste - die Lueneburger Heide gilt als ausgesprochenes Fahrradeldorado. Nun ja. Es war nicht sonderlich kalt an dem Tage. Es war Sonntag, der typische Rueckreisetag. Bis Lueneburg, ja bis Uelzen kam ich noch ganz gut (bis auf den Umstand, dass ich eine Frau beruhigen musste, deren Fahrrad von dem Bauschutt am Kieler Bahnhof einen Platten hatte und deswegen die Bahn auf Ersatz verklagen wollte). In Uelzen jedoch wurden es wirklich _viele_ Raeder, so dass der Schaffner, der das Einladen beaufsichtigte, verlangte, wir moegen doch die Satteltaschen abnehmen. Wegen des Platzes. Oben erwaehnte Frau weigerte sich. Der Schaffner drohte ihr, ohne sie abzufahren. Sie nahm die Taschen ab und schimpfte weiterhin. Belegte den Schaffner mit ueblen Worten. Dieser bot ihr an, sie koenne entweder ruhig sein, den Zug verlassen oder er wuerde den Zug in Uelzen stehen lassen. Ich versuchte, seelsorgerisch taetig zu werden. Es half. Ab Hannover stroemten die Raeder nur so in den Zug. Es waren dann ungefaehr fuenfzig, und da ich mich in Uelzen als Schlichter und Organisator hervorgetan hatte, fand ich mich auf einmal raederschichtend wieder (kurz zuvor hatten wir noch der mosernden Frau den Reifen geflickt). Wir genossen unser Leben in vollen Zuegen. Ich stellte fest, dass eine Familie bis Mannheim den selben Weg hatte und wir sprachen uns ab, dass wir gemeinsam die Fahrraeder hinein- und hinaushieven wollten. Eigentlich nur unsere, aber die anderen Fahrgaeste und Radler waren von unserem Enthusiasmus so begeistert, dass wir gleich deren Raeder mit hieven durften. DANKE, 35-Mark-Ticket, dass ich einen ganzen Tag Sauna kostenlos mitbekommen habe! DANKE, 35-Mark-Ticket, dass du meine Fahrradhievfaehigkeit entschieden gestaerkt hast! DANKE, 35-Mark-Ticket, dass ich nicht weiss, ob ich auf der 1000-km-Tour oder in den Eisenbahnen mehr Kalorien verloren habe! <detebe> Gruss Georg -- Georg Siegemund - Pfarrer, | So sechse wie mir fuenfe gibds kei Oberguru, Avst, Ärgerlicher, | vier annern mehr. Mir drei war'n die Forschungsprojektlistenmann, | zwo einzischde. Marketingassistent in d.t.b. | (Michael Hermes in detebe)