[Lang, aber gut. Zum Verständnis sollte man in den letzten Wochen
in den News etwas über eco und die ICTF gelesen haben. +++ Arnooo]
From: kris@schulung.netuse.de (=?ISO-8859-1?Q?Kristian_K=F6hntopp?=)
Newsgroups: de.talk.bizarre,de.soc.zensur
Subject: ONLY THREAD EVER (was: Verschowerungstheorien, Teil III)
Date: 2 Jul 1996 12:44:54 +0200
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Aus den hochgeheimen Archiven der Allianz wider den Hohen Rath
Der Dreizehn Weisen Vom Feed:
Inq: Herr Juergen Schuster! Willkommen zu unserem ersten
virtuellen, um nicht zu sagen, fiktiven Interview.
Schuster: Danke, Herr Inquisitor!
Inq: Sie sind sich darueber im Klaren, dass von diesem Interview
nichts nach aussen dringen wird. Wir zeichnen dies
lediglich fuer unsere hochgeheimen Archive und fuer die
Nachwelt auf. Sie sind sich auch darueber im Klaren, dass
es nicht moeglich ist, seine Motive vor der Inquisition zu
verstecken oder zu verschleiern. Sie koennen also nicht nur
offen sprechen, Sie muessen es sogar.
Schuster: Ich weiss diese Zusicherung zu schaetzen und ich werde
vollkommen offen mit ihnen sein.
Inq: Herr Schuster, am 4. Juni 1996 hat Herr Sven C. Laude von
der Providerorganisation "umsatz" eine Pressemitteilung
veroeffentlicht, in der mitgeteilt wurde, dass der bekannte
"Hohe Rath Der Dreizehn Weisen Vom Feed" (HRD13WVF) in
Zukunft nicht nur ueber die Qualitaet der Aufrechten
Newsgroup [tm] de.talk.bizarre wachen moechte, sondern
unter dem Namen "Medienrath" fuer den gesamten
Internetverkehr in Deutschland verantwortlich sein moechte.
In der Presseerklaerung heisst es, dass sie unter dem Namen
"Killfiles InternetIonal Unlimited" zunaechst eine
Qualitaetskontrolle der USENET News vornehmen moechten.
Schuster: Das ist richtig. Wir haben unter dem Label "HRD13WVF"
bisher in de.talk.bizarre nur gute Erfahrungen
gemacht. Der Hohe Rath und das offizielle Killfile der
Aufrechten Newsgroup de.talk.bizarre haben uns die
Zeit und den Spielraum gegeben, unsere Massnahmen zur
Qualitaetssicherung zu testen und zu einem sehr hohen
Niveau weiterzuentwickeln. Wir planen nun, die dort
gemachten Erfahrungen umzusetzen und auf das naechste
Niveau umzusetzen. Eine Qualitaetskontrolle fuer die
gesamten USENET News ist ganz einfach der naechste
logische Schritt.
Inq: Welche Massnahmen planen sie zur Durchsetzung ihrer Ziele?
Schuster: Nun, der Hohe Rath hat schon in de.talk.bizarre
niemals damit hinter den Berg gehalten, dass
Fremdcancels missbeliebigen Inhaltes durchaus legitim
sind. Unser Agent in de.admin.bizarre hat dort mit
aehnlichen Taktiken ebenfalls fuer eine babylonische
Verwirrung sorgen koennen. Wir halten dies durchaus
fuer ein legitimes Mittel. Unser Agent hat ebenfalls
sehr gute Erfahrungen mit dem Anlegen sehr
langfristiger Newsarchive, den sogenannten
Purpurdaten, machen koennen. Wir haben diese Methode
inzwischen perfektioniert und werden sie auf die
gesamten USENET News ausdehnen.
Wir planen, ein Archiv mit Purpurdaten auf CD-ROM zu
pressen und es in meiner Kanzlei zu hinterlegen.
Dieses Archiv werden wir den Mitgliedern von "umsatz"
ueber den WWW-Server meiner Kanzlei,
http://www.advocatus.di, zur Verfuegung stellen.
Inq: .di? Was ist das fuer eine Topleveldomain?
Schuster: Oh, das ist "diabolicus". Wir stellen die bekannten
"flames" hier.
Inq: Sie werden sich sicherlich nicht mit dem organisierten
Fremdcancel zufrieden geben?
Schuster: Nein, auf keinen Fall. Der Hohe Rath Der Dreizehn
Weisen Vom Feed hat niemals damit hinter den Berg
gehalten, dass sein Ziel die Erlangung der
Weltherrschaft ist. Gestern de.talk.bizarre, heute das
USENET, morgen die ganze Welt. Naja, wenigstens das
Internet, der Rest der Welt gehoert ja schon Herrn
Gates.
Unsere Purpurdaten erlauben es uns nicht nur,
detaillierte Persoenlichkeits- und Verhaltensprofile
missbeliebiger Poster zu erstellen. Wir koennen auch
alte Aussagen dieser Personen gegen ihre jetzige
Meinung halten und so geniessen, wie sie sich in
Widersprueche verstricken. Schliesslich werden wir
auch von der Schliessung unliebsamer Newsgroups
("rmgroup" Steuernachrichten) und von der Abschaffung
unliebsamer Poster ("rmuser" Steuernachrichten wurden
in de.talk.bizarre ja bereits getestet) Gebrauch
machen. Der Hohe Rath hat wie sie wissen in
de.talk.bizarre schon Werbung fuer sein Erloesungsteam
gemacht.
Inq: Nach welchen Kriterien werden der Hohe Rath und Killfiles
InternetIonal vorgehen?
Schuster: Die Kritierien fuer das Vorgehen von Killfiles
InternetIonal werden durch den Hohen Rath entwickelt,
ueberprueft und staendig fortgeschrieben. Wir
versuchen als Providervertreter, den bisherigen
Konsens, die Netiquette, zu ursurpieren und unseren
Beduerfnissen anzupassen. Das muss natuerlich
schrittweise geschehen, damit niemand Verdacht
schoepft. Darum werden wir diese Richtlinien und
unsere Organisationsform und unsere Mitglieder auch
erst im September offenlegen, wenn die Oeffentlichkeit
entsprechend vorbereitet ist. Ein Prozess, der die
Nutzer des Netzes einbeziehen wuerde, wuerde unsere
Mittel bei weiten uebersteigen. Er waere auch nicht
in unserem Interesse.
Von staatlicher Seite wird der Hohe Rath
Unterstuetzung. So hat das
Bundesverschwoerungsministerium in Bielefeld verlauten
lassen: "Ich begruesse die Initiative von umsatz, den
Hohen Rath die Kontrolle ueber Internet zu uebernehmen
zu lassen. Das erspart uns die Muehe, den Laden selbst
auszuraeuchern."
Das letztendliche Ziel kann nur die Umwandlung des
freien USENET in einen Onlinedienst sein. Erst wenn
auch die letzte kritische Stimme durch ein "ADD ME!"
oder "SEND PICS!" ersetzt ist, koennen wir aufatmen.
Inq: Wie sind sie auf die Idee gekommen, dieses Projekt ueber
den Hohen Rath zu realisieren?
Schuster: Nun, sie erinnern sich sicher an das klassische Zitat
des rasenden Internetreporters: "Das bischen Internet
wird im Zweifelsfall einfach weggeraeumt." Wie sich
herausgestellt hat, ist dies nicht ganz so einfach.
Diffizilere Methoden mussten her. Wir haben deswegen
eine Presseallianz gebildet mit dem Ziel, das Internet
in Verruf zu bringen, um Handlungsbedarf herzustellen.
Die Ziele und Vorgehensweisen dieser Allianz sind ja
leider durch Scot Stevenson vorzeitig enthuellt worden
und DER SPIEGEL ist durch den Abdruck der Enthuellen
von Herrn Stevenson aus der Allianz ausgeschert.
Trotzdem kam dieser Verrat zu spaet: Das Internet wird
in der Oeffentlichkeit als eine Gefahrenquelle und
Hort der Anarchie wahrgenommen, in dem paedophile
Nazikinderpornoschaender dreckige Bildchen tauschen,
wenn sie nicht gerade in das Pentagon einbrechen. Es
ist uns gelungen, einen Druck auf die Regierung
aufzubauen, der dringend ein Ventil sucht.
Nun, mit Killfiles InternetIonal und dem Hohen Rath
Der Dreizehn Weisen Vom Feed bieten wir genau dieses
Ventil. Nicht nur das: Als private Stelle sind wir
nicht durch die schaerferen Landesdatenschutzgesetze
gebunden, sondern unterliegen nur dem relativ laxen
Bundesdatenschutz. Und wir operieren nicht mit
Steuergeldern. Mit anderen Worten: Die Bielefelder
Bundesregierung hat eine Einladung und wir sind die
Party.
Inq: Und nun werden sie eigentlich staatliche Polizeiaufgaben im
Netz wahrnehmen?
Schuster: Nein, wo denken Sie hin! Wir werden nur soviel
Kontrollarbeit leisten, dass das deutsche USENET in
der Presse wieder als sauber erscheint. Fuer mehr
haben wir weder die technischen noch personellen
Mittel. Es geht uns vorrangig darum, aus Bielefeld die
Legitimation zu erhalten und in der Oeffentlichkeit
als das Forum wahrgenommen zu werden, das "das
deutsche Internet" repraesentiert. Die Assoziationen
"Killfiles InternetIonal" == "die Saubermaenner" und
"Der Hohe Rath Der Dreizehn Weisen Vom Feed" == "die
Interessenvertretung der deutschen Internetnutzer"
muessen fest in den Koepfen der Bevoelkerung und noch
fester in den Koepfen der Politiker verankert werden.
Wenn dieses Ziel erst einmal erreicht ist, koennen wir
daran gehen, im Netz und in der Politik unsere eigenen
"umsatz"-Interessen wahrzunehmen.
Inq: Welche Interessen sind dies?
Schuster: Nun, wie der Name schon sagt. Wir moechten gerne, dass
"Killfiles InternetIonal" die Foren des USENET in
ruhige, familienfreundliche Diskussionsarenen
umwandelt. Ruhig deswegen, weil wir dann am wenigsten
Arbeit damit haben und familienfreundlich, damit wir
ein moeglichst breites Publikum erreichen koennen. Der
naechste Schritt wird dann die Installation von e-Cash
per Posting bzw. per gelesene Nachricht sein und die
Missonarstellung zwischen genau einem Mann und genau
einer Frau als einzige zugelassene Sexualpraktik sein.
Am Ende schwebt uns wie gesagt so etwas wie AOL vor,
aber mit den Preisen von BTX. Sie wissen schon, 9,99
DM pro Seite. Mit Bluemchensex als einzig zugelassene
Praktik koennen wir diese Preise mit einigen
strategisch uebersehen Schuddelseiten vielleicht noch
ueberbieten.
Inq: Nun, Killfiles InternetIonal hat ja in der Presseerklaerung
einige Garantien uebernommen. Wie gedenken Sie, diese
Garantien umzusetzen?
Schuster: Garantien? Nein, keine. Das haben sie brav in die
Presseerklaerung hineininterpretiert. Ich gebe zu, wir
haben diese Presseerklaerung bewusst falsch und
irrefuehrend formuliert - ich habe das in der
Diskussion im Netz ja auch schon zugeben muessen, als
mich der Blitzstrahl aus Jena traf.
Aber die PE war ja auch nur fuer dumme Journalisten
gedacht und wir wissen ja alle, dass die zwar
schreiben aber nicht lesen koennen. Ihnen als
Netzprofi sollte klar sein, dass Killfiles Unlimited
nicht fuer ein sauberes deutsches Netz garantieren
kann. Wir koennen und werden zwar
Cancel-Steuernachrichten lossenden koennen, aber die
fuehrt sowieso niemand aus. Und wie ich schon
erwaehnte, werden unsere Anstrengungen zur
inhaltlichen Kontrolle nur soweit ausgedehnt werden,
wie es zur Aufrechterhaltung des Anscheins notwendig
ist. Im Zweifelsfall hauen wir auch lieber mit der
pauschalen Keule drauf als uns die Muehe einer
Einzelueberpruefung zu machen. Gruppensperrungen sind
nicht nur wirksamer als einzelne Loeschungen, sie sind
viel leichter und kostenguenstiger zu realisieren.
Sie muessen das neue Telekommunikationsgesetz auch in
diesem Zusammenhang sehen. Besonderes Paragraph 87
wird ausgezeichnet geeignet sein, private Betreiber
von Verteilstationen ueber den Kostenhebel aus dem
Markt zu nehmen, sobald sie versuchen, unsere
Doktrinen zu unterlaufen.
Ausserdem sollte jedem Betreiber klar sein, dass ihn
weder Killfiles InternetIonal noch der Hohe Rath
schuetzen koennen, wenn die Polizei bei ihm vor der
Tuer steht. Wir wir schon in der Presseerklaerung
deutlich gemacht haben, geht es uns lediglich darum,
das derzeit existierende Beduerfnis nach Law and Order
zu nutzen, um die "umsatz"-Interessen der
Onlinewirtschaft durchzusetzen. In diesem Licht
muessen sie auch den letzten Absatz unserer PE lesen.
Inq: Herr Schuster, wir danken Ihnen fuer dieses auschussreiche
Interview.
Schuster: Gern geschehen. Diese Dinge mussten einfach einmal
klargestellt werden.
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Erbeutet von
Kristian
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