From: privat@karlvalentin.de (Karl Valentin)
Subject: Re: berliner frauen gesucht
Date: 8 Sep 1999 21:02:30 GMT

Also sprach Bernhard Schultz:
>Das ist nur ein grober Aufbau, die delays werden erst später eingefügt.

Die delays sind aber das wichtigste. Man will ja schließlich etwas von
seiner Dienstzeit haben. 

Mein Dienst beginnt zum Bleistift 7 Uhr in der Frühe. Günstigenfalls
treffe ich auch schon 10 nach 7 in meinem Institut ein und ehe man dann
seinen sterilen Kittel übergeworfen hat und sich zu seinem Arbeitsplatz
vorgekämpft hat, sind mindestens 5 Minuten vergangen.
Dort angekommen, sehe ich sehr viel Blut und mich überkommt ein Anfall
von Arbeitswut. Also setze ich mich erstmal in den Schreibraum und warte,
bis der Anfall vorbei ist.
Mittlerweile ist es 7:30 und es kommt Langeweile auf. Also raffe ich
mich auf und drücke ein paar Blute ab. Leider muß ich nach 5 Minuten
feststellen, daß das keineswegs befriedigend ist.
Glücklicherweise muß jetzt was kopiert werden. Das schöne am Kopierer
ist, daß sich daneben ein Rechner mit Netzzugang und einem bekannten
Paßwort befindet. Naja, was kann ich denn dafür, daß die lahme
Vervielfältigungskrücke für 20 Kopien 20 Minuten braucht?
Nun ist es Zeit für einen Vorfrühstückstee. Leider ist dieses Zeugs
wahnsinnig heiß und ich möchte mir nicht meine Zunge verbrennen. Leider
vergeht so auch wieder eine viertel Stunde, in der ich nicht produktiv
sein konnte.
Dermaßen motiviert gehe ich wieder an die Arbeit und schiebe ein paar
Kühlplatten durchs Gebäude und widme noch der einen oder anderen
Konserve meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
Mittlerweile ist es 8:30 und die ideale Zeit, Kontake zu pflegen. Also
geht es ab in die Abnahme: Der gestrige Abend muß schließlich
ausgewertet werden. Leider muß die Auswertung schon anch einer halben
Stunde beendet werden, weil die Frühstückspause beginnt.
Frühstückspausen sind etwas tolles. Die Leute aus der Abteilung bekommen
mit, daß man anwesend ist, ohne daß man dafür arbeiten muß.
Nachdem man sich eine Tasse Kaffee gegönnt hat, verläßt man den
Frühstückstisch. Ich beginne ein paar Konserven abzuarbeiten. Die Frau Dr.,
die noch nicht zum Frühstücken gekommen ist, bekommt das mit: "Herr
Valentin, sie sind aber fleißig." Sie geht frühstücken, ich gehe in den
Konferenzraum.
Im Konferenzraum gibt es sehr bequeme Ledersessel. Wenn man drei davon
zusammenstellt, kann man sich drauflegen und prima ruhen. Wenn ich nur
wüßte, warum meine Uhr mich schon nach einer Stunde aus meinen Träumen
reißt, wäre ich um einiges glücklicher.
Aber egal. Schließlich ist 10:30 eine gute Zeit, um festzustellen, daß
es nichts wirklich wichtiges zu tun gibt. Also tut man was für seine
Bildung, geht ins Wartezimmer und studiert ersteinmal gründlich die
Tageszeitung. Wenn man gleich dort das Kreuzworträtsel löst, kann man
sich von gebildeten Spendern dabei helfen lassen.
Die Mittagspause naht, jedoch habe ich das Gefühl, da lag noch was
wichtiges an. Genau, die Segmente für die Kreuzprobe müssen in die
Serologie. Los geht es also.
In der Serologie werde ich mal wieder für meine Pünktlichkeit und
Zuverlässigkeit gelobt. Na wenn das mal nix ist. Irgendjemand ist
in Spendierlaune und es gibt noch ein paar Bonbons.
Mittagspause. Diese Stunde muß sicher nicht näher erläutert werden.
Ich lasse mich mal wieder blicken, doch leider gibt es momentan nichts
zu tun. Das Wetter ist sonnig und die Dachterasse kann man leider nicht
einsehen - idealer kann man es nicht haben. Allerdings ist mehr als
eine halbe Stunde Sonneneinstrahlung nicht so gesund.
Grüne Kittel werden gewünscht. Dem Wunsch komme ich gerne nach. Sowas
ist in der Tat mal eine gelungene Abwechslung, auch wenn ich nicht weiß,
warum das so ist.
Jetzt soll ich von vorne noch etwas Blut holen. Gesagt, getan. Ich gehe
vor und lasse mich erstmal zu einer Tasse Kaffee einladen. Die
Schwestern erzählen interessante Anekdoten aus ihrer Dienstzeit. Da ich
ein höflicher Mensch bin, höre ich gut zu und bringe das Blut eben etwas
später hinter.
Es ist mittlerweile 15 Uhr und die Chefin meint, den Rest schafft sie
auch alleine. Ich empfehle mich und fahre heim, obwohl ich heute mal
darauf bestehen wollte, bis zum offiziellen Ende 15:30 zu arbeiten.
Verdammt, irgendwie gelingt mir das nie.

Gruß, Karl

-- 
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